Menschen verhalten sich nicht in jeder Situation gleich. Eigentlich selbstverständlich. Bei der Beurteilung von Führungskräften vergessen wir das trotzdem hin und wieder.
In Management Assessments erleben wir regelmäßig, dass sich kein vollkommen einheitliches Bild ergibt. Jemand tritt in einer Präsentation sehr klar und souverän auf, agiert im Gespräch mit einem kritischen Gegenüber aber deutlich vorsichtiger. Eine andere Person entscheidet unter Zeitdruck sehr schnell, sucht bei strategischen Fragen dagegen stärker nach Absicherung. Gerade solche Unterschiede sind besonders aufschlussreich.
Denn dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was verändert sich, wenn Widerstand entsteht, Unsicherheit zunimmt oder der Druck größer wird? Und welches Verhalten zeigt eine Person relativ stabil über verschiedene Situationen hinweg?
Für uns gehört das zu den wesentlichen Vorteilen guter Eignungsdiagnostik. Sie stützt sich auf mehrere Beobachtungen und versucht, daraus ein Gesamtbild zu entwickeln, das auch unterschiedliche Verhaltensweisen zulässt. Dass im Übrigen Situationen einen erheblichen Einfluss darauf haben, welches Verhalten wir beobachten, ist auch aus der Assessment-Center-Forschung gut belegt.
Vielleicht sollten wir also gerade deshalb bei wichtigen Personalentscheidungen etwas vorsichtiger mit schnellen Zuschreibungen sein?
Menschen sind widersprüchlicher als Kompetenzmodelle. Und manchmal liegt genau darin die interessante Information.
