Automation Bias und Generationen: Was sagt die Forschung?
In einen der letzten Beiträge ging es um den Automation Bias, die Tendenz, Empfehlungen von KI oder anderen automatisierten Systemen stärker zu gewichten als das eigene Urteil.
In diesem Zusammenhang taucht immer wieder die Frage auf: Sind jüngere Führungskräfte dafür anfälliger als ältere?
Die Vermutung erscheint auf den ersten Blick plausibel. Wer mit digitalen Technologien aufgewachsen ist und KI selbstverständlich nutzt, müsste ihren Empfehlungen doch häufiger folgen.
Die wissenschaftliche Evidenz zeichnet bislang allerdings ein anderes Bild. Für einen systematischen Generationeneffekt gibt es derzeit keine belastbaren Belege.
Die Forschung verweist vielmehr auf andere Einflussfaktoren:
– Vertrauen in das System
– Zeitdruck und Arbeitsbelastung
– Komplexität der Entscheidung
– Kritisches Urteilsvermögen
– Erfahrung im Umgang mit Unsicherheit
Damit rückt aus unserer Sicht eine wichtigere Frage in den Mittelpunkt: Wie kann die Urteilskraft von Führungskräfte im Umgang mit KI gestärkt werden?
Diese Kompetenz entscheidet darüber, ob KI zu besseren Entscheidungen beiträgt oder ob Empfehlungen ungeprüft übernommen werden. Mit jeder neuen KI-Generation gewinnt deshalb eine klassische Führungsfähigkeit weiter an Bedeutung: Entscheidungs- oder Urteilskraft.
